Versteckte Kamera?

Fliegen auf dem eigenen Grundstück

Multicopter haben nicht überall einen guten Ruf. So manchem Nachbarn sind sie ein Dorn im Auge, wenn man hinterm Haus fliegt. Daher kommt es häufig zu Interessenkonflikten, denn den Nachbarn stört’s, und der Modellflieger möchte fliegen. Kommunikatives Miteinander ist – wie überall im Leben – unbedingt notwendig und angebracht.

Versuchen wir uns erst einmal in die Situation des Nachbarn hinein zu versetzen. Der liest im Garten seine Zeitung. Plötzlich hört er ein Surren. Dann sieht er ein Fluggerät, das freiweg neben seinem Grundstück fliegt, Kreise dreht, rauf runter, recht links. Hm, was ist denn das? Dass er es interessant findet, kann nicht vorausgesetzt werden, Modellflug interessiert ihn halt nicht. Aus seiner Sicht „unnützes Spielzeug“. Oder vielleicht mehr? Von kurzsichtigen effektheischenden Medien alarmiert, fällt ihm nun alles Mögliche zum Thema „Drohne“ ein. Drohnen sind böse, Drohnen spionieren, können abstürzen, Gefahrgut Akku an Bord.

Diplomatisch argumentieren

Nach einem halben Stündchen, das Flugobjekt kommt immer wieder in seine Nähe, macht er sich auf zum Standort des Steuermanns, der leicht festzustellen ist. Der nun entstehende Dialog läuft häufig nach gleichem Schema ab. Der Nachbar meldet, dass er nicht mag, wenn diese Drohne in der Nähe seines Gartens fliegt, und der Modellflieger entgegnet, dass dies nicht verboten und somit sein Recht sei. Und schon entsteht ein Hin und Her, das ungeachtet der Rechtslage das Klima schnell und nachhaltig vergiftet. Denn dem Nachbarn „stinkts“ von Mal zu Mal immer mehr, er fixiert sich nahezu auf Multikopter, wann immer er ein Surren hört. Und dem Modellflieger ist ebenfalls die Flugfreude vergällt, rechnet er doch durchaus damit, dass dieser böse Nachbar alsbald wieder auftaucht und formuliert daher im Geiste bereits alle möglichen Gegenargumente.

Der kluge Modellflieger geht diplomatisch, defensiv vor. Dass es selbstverständlich nicht seine Absicht war, den Nachbarn zu verärgern. Dass er halt Spaß am Modellflug habe, weil es ein sehr interessantes Hobby sei. Und natürlich, es ist kein Problem, den Nachbargarten im großen Bogen zu umfliegen. Nein, es ist natürlich keine Drohne, nur ein kleiner Multicopter. Und schon wird der Nachbar per Einladung eingebunden, er bekommt den Sender mit all den Schalterchen und Hebeln gezeigt. Und nun hin zu dem brav gelandeten Multicopter. Hier, kleine Drehstrommotörchen für die unterschiedlich rotierenden Propeller, das ist die Antenne für Navigation und Kompass, das Blinklicht signalisiert, ob alles in Ordnung ist, und man höre und staune, per Knopfdruck meldet eine freundliche Dame die Akkuspannung.

Interesse wecken

„Sehen Sie, wenn ich nun starte und in 5 Meter Höhe diesen Schalter umlege, dann bleibt das Ding ohne mein Zutun in der Luft stehen, bewegt sich kaum nach rechts, nach vorne oder nach links, hält automatisch die Höhe. Toll was?“ Na, wer wird nun nicht beeindruckt sein? Aber der Nachbar hat viel Böses gehört. Scharfblick durch Stahlbeton und Fensterrollos. Stereophones Erlauschen von Bettgeflüster. Wer macht was wann ums eigene Haus herum? Logisch, dass er fragt, ob man damit auch Videos machen kann. Ja, könnte man, eine kleine Kamera ließe sich anbringen und damit natürlich auch Luftaufnahmen machen. Das sind erstaunlich andere Perspektiven, verblüffend, diese kleine Legolandschaft von oben zu sehen; ganz schön schwierig, sich zurechtzufinden. „Und, schon mal Bilder gemacht?“ „Ja klar, Fotos von unserem Haus, eines hängt eingerahmt in der Diele.“ Na, welcher Nachbar hätte nicht ebenfalls gerne ein Bild von seinem Haus aus der Vogelperspektive?

Perspektivenwechsel

Multicopter haben den Modellflug vom entlegenen Modellflugplatz in die Nähe von Wohngebieten gebracht. Und nun liegt es an uns Modellfliegern, mit schlichter Sachlichkeit und Feingefühl dafür zu sorgen, dass kein „Drohnenkrieg“ entsteht. Wer auf sein Recht beharrt und stur auch da fliegt, wo es zwar nicht verboten, aber unerwünscht ist, erntet ganz gewiss keine Billigung. Wer meint, all den Nachbarn und Nachbarinnen unbedingt seine tolle Technik aufs Auge drücken zu müssen, indem er ständig in deren Blickwinkel rumturnt, irrt, wenn er glaubt, auf diese Art deren Desinteresse umpolen zu können.

Werner Frings

 

So verhält man sich abseits von Modellflugplätzen richtig

Multicopter verunsichern Nachbarn, Anwohner und Wandersleut‘. Diese kleine Checkliste soll helfen, unnötige Konflikte zu vermeiden, wenn gelegentlich außerhalb von Modellflugplätzen geflogen wird.

  • Besteht für den ausgewählten Startplatz eine Nutzungserlaubnis des Grundstückbesitzers? Sie ist Voraussetzung für den Start außerhalb ausgewiesener Modellflugplätze. Sollte das Abfluggewicht des Kopters über 5.000 Gramm liegen, benötigt man außerdem eine Aufstiegserlaubnis.
  • Ist ein Versicherungsschutz auch für den Betrieb außerhalb zugelassener Modellflugplätze vorhanden? Eine private Haftpflichtversicherung deckt grundsätzlich nicht Schäden, die durch Modellflug verursacht werden, ab. Die DMFV-Mitgliedschaft und die zahlreichen Versicherungsangebote das Verbands hingegen schon.
  • Der Luftraum hat Klärungsbedarf. Ist ein Flugplatz in der Nähe (näher als 1,5 Kilometer)? Falls ja, benötigt man eine Aufstiegserlaubnis. Wie niedrig fliegen in dieser Gegend eventuelle Rettungshubschrauber? Die zuständige Landesluftfahrtbehörde gibt darüber Auskunft.
  • Naturschutzgebiete sind Flugverbotsgebiete. Auch Landwirte werden einen Copter nicht unbedingt gerne über ihren Getreidefeldern kreisen sehen, denn er argwöhnt nicht ganz zu Unrecht, dass ein Teil seiner künftigen Ernte zertrampelt wird, sollte das Fluggerät ungewollt in sein Feld fallen. Hier ist damit bereits die Grenze einer Duldung erreicht. Somit sollte der Landwirt vorher freundlich gefragt werden, ob er etwas dagegen habe, wenn man gelegentlich etwas elektrischen Modellflug über seinen Äckern machen möchte.
  • Keinesfalls darf über Kuhweiden, Pferdekoppeln oder Gehege geflogen werden. Schnell geraten beispielsweise Pferde in Panik; auch aufgeschreckt fortlaufende Kühe können zu teurem Ärger führen.
  • Fernhalten des Copters von Spaziergängern, Feldarbeitern oder Hundeführern. Dass Menschen nie überflogen werden dürfen, bedarf keiner extra Erwähnung. Doch auch in deren Nähe soll man nicht durch die Lüfte turnen. Freilich ist es verlockend, zu zeigen, was man da für ein tolles Fluggerät hat und was das – und erst recht man selbst – alles kann. Denn in den meisten Fällen stoßen Multicopter eher auf Verunsicherung. Diskussionen über „verboten“ oder „erlaubt“ sind an dieser Stelle meist fruchtlos. Nur ein erklärender, höflich zuvorkommender Fernsteuerer kann auf das Wohlwollen Außenstehender hoffen.